Das Stiftsheim wurde vom Ritterschaftlichen Stift Oberkaufungen erbaut und im Juni 1959 eröffnet. Die Trägerschaft lag beim Deutschen Gemeinschaftsdiakonieverband e.V.. Unter der Leitung von Oberschwester Wilhelmine Schäfer wurde das Haus von Diakonissen des Mutterhauses Hebron in Wehrda (bei Marburg) geführt. Am 16.11.1987 kam Schwester Karin von Perbandt in das Stiftsheim, die bis 1993 das Haus weiterleitete.
Anhand von Aufzeichnungen der Bewohnerin Hildegard von Schack, sind noch viele Geschichten und Begebenheiten aus der Entstehungszeit des Hauses und vom Leben im Heim erhalten geblieben. So weiß man, dass der Plan, ein Altenheim zu bauen, von zwei Herren der Althessischen Ritterschaft, von Herrn von Gilsa und Herrn von Baumbach stammte.
Von der Planung bis zur Fertigstellung des Hauses vergingen ganze zehn Jahre, da der Bau zunächst nicht auf große Fürsprache bei den Herren der Hessischen Ritterschaft traf. 1949 bekamen alle Mitglieder der Hessischen Ritterschaft einen Fragebogen, ob sie im Alter in das Stiftsheim ziehen würden. Die Meisten bejahten dies, auch die erste Bewohnerin des Stiftsheimes, Frau Hildegard von Schack.
Der Bauplan wurde bewilligt und der Architekt Herr Twelcker bekam den Auftrag. Es wurde lange hin und her gegrübelt einen Namen für das Heim zu finden. Schließlich schlug Frau von Gilsa den Namen „Stiftsheim“ vor, der sofort allgemeine Anerkennung fand. Herr von Gilsa und Oberschwester Margarethe vom Burgfeldkrankenhaus übernahmen die Vermietung der Zimmer, die für Januar 1959 geplant war. Sie verzögerte sich jedoch, durch unvorhergesehene Zwischenfälle. Zum Beispiel stieß man beim Ausschachten des Küchenflügels auf einen riesigen Felsen, der erst gesprengt werden musste.
Hildegard von Schack zog am 2. Juni 1959 um 3:00 Uhr nachts ein. Sie kam mit einem Möbelwagen aus Schleswig-Holstein.
Im Stiftsheim lebte auch das Fräulein Dora Otto, das am 08.09.1973 100 Jahre alt wurde. Fräulein Otto hegte eine Freundschaft mit Joseph Beuys, die mit offenkundiger Abneigung begonnen hatte. Im Jahr 1972 hatte Fräulein Otto aus Empörung über die auf der „documenta“ ausgestellten Werke von Beuys einen Brief an den Künstler nach Düsseldorf geschickt. Die sich hieraus entwickelnde Korrespondenz veranlasste den Künstler, während eines Besuches in Kassel seine Kritikerin im Stiftsheim zu besuchen. Das persönliche Treffen war der Ausgangspunkt für die nachfolgende Freundschaft. Zu ihrem 100. Geburtstag reiste Joseph Beuys mit 100 dunkelroten, langstieligen Rosen an. Als Fräulein Otto einige Jahre später starb, standen an ihrem Sarg 100 rote Rosen von Joseph Beuys.
Die Aussichten aus den Fenstern des Stiftsheimes hatten sich bis zum Jahr 1982 sehr geändert. 1959 hatten die Bewohnerinnen des Stiftsheimes einen wunderbaren Blick, besonders abends bei klarer Sicht war ein märchenhafter Blick auf das Lichtermeer von Kassel. Nah zum Fröbelhaus stand eine uralte Eiche, unter der die Schülerinnen des Fröbelseminars bei schönem Wetter lagerten. Als die Eiche gefällt wurde, entstand dort ein Haus für die Schülerinnen, das den Bewohnerinnen den Blick zur Aue nahm. Dann wurde ein Haus mit sechs Etagen gebaut, das allgemein den Blick auf Kassel zerstörte.
Die bauliche Struktur und das Konzept des Stiftsheimes war auf das Wohnen und die Versorgung alter Menschen abgestimmt und wurde der im Laufe der Jahre sich verändernden Nachfrage nicht angepasst. So wurde schließlich eine grundlegende Modernisierung nötig. Sie jedoch konnte der Eigentümer nicht finanzieren. Er entschloss sich zum Verkauf. Die Evangelische Altenhilfe Gesundbrunnen Hofgeismar übernahm das Haus am 31.03.1993. Friedrich Trapp übernahm die Leitung des Stiftsheims. Unter seiner Leitung begann die Weiterentwicklung des Hauses auf der Grundlage des diakonischen Leitbildes und unter Berücksichtigung neuer pflegefachlicher Erkenntnisse.
Am 27. April 1995 erfolgte der Spatenstich zur Modernisierung und Erweiterung. Am 16. November wurde Richtfest für den Erweiterungsbau gefeiert und ein gutes Jahr später, am 05. Dezember 1996 wurde das „neue Stiftsheim“ eingeweiht.
Mit der Erweiterung des Altenheims, der Einrichtung einer Tagespflege und dem gleichzeitigen Einzug der Diakoniestation der Evangelischen Kirche, entstand ein modernes Altenhilfezentrum, das den Nachfragen nach pflegerischen Hilfs- und Unterstützungsangebote umfassend entsprechen konnte und kann.
Als im Jahr 1999 das benachbarte Grundstück in der Firnsbachstraße zu verkaufen war, entschloss sich die Ev. Altenhilfe Gesundbrunnen, den Standort noch einmal zu erweitern: 38 heimverbundene Wohnungen entstanden in einem Neubau. Am 17. Oktober 2000 wurde das neue „Haus am Stiftsheim“ eingeweiht.
Im Jahr 2010 kaufte die Evangelische Altenhilfe Gesundbrunnen ein weiteres Nachbargrundstück des ehemaligen Feinkostgeschäftes „Lottermoser“. Hier sollen nun im kommeden Jahr weitere heimverbundene Wohnungen und zwei Hausgemeinschaften für dementiell erkrankte Menschen entstehen.