Archiv der Ev. Altenhilfe Gesundbrunnen - Ein Schlaglicht in den historischen Nahbereich

„Lisa Heise und Rainer Maria Rilke – Es begann in Hofgeismar“, so heißt ein Buch der Hofgeismarer Autorin Conny Heinz. Es beleuchtet den Briefwechsel zwischen einer jungen Frau und dem bekannten Dichter, der in diesem Jahr 150 Jahre geworden wäre. Lisa Heise, seit 1916 Hofgeismarer Neubürgerin, frisch verheiratet und literarisch begabt, schreibt dem berühmten Dichter einen Brief – und er antwortet. Nicht nur einmal, bis 1924 hält der Schriftverkehr.

Rilke wird Lisa Heise zum Freund und Berater, auch und gerade, als ihre Ehe scheitert und sie später mit ihrem kleinen Sohn Hofgeismar verlässt. Lisa Heise wohnt in einem alten Haus am Altstädter Kirchplatz in Hofgeismar, das heute noch steht – wie sie beschreibt, wie das Haus knarrt, wenn der Wind geht, der Schnee auf dem Pflaster um die Altstädter Kirche liegenbleibt oder auf dem benachbarten Marktplatz Versammlungen stattfinden, die man bis ins Haus hören kann –, es ist ein Schlaglicht in den historischen Nahbereich zur Zeit des Ersten Weltkriegs und des Anfangs der Weimarer Republik, wie es Hofgeismars Bürgermeister Torben Busse in seinem Vorwort schreibt. Dieser Blick in den Nahbereich wurde auch möglich, weil Conny Heinz auf das Archiv der Ev. Altenhilfe Gesundbrunnen zurückgreifen konnte.

Das Archiv, von 15 Jahren angelegt und eingerichtet, gibt Zeugnis von über 130 Jahren Leben und Pflege am Gesundbrunnen, Berichte und Tagebuchaufzeichnungen der jeweils Leitenden Pfarrer, Berichte und Briefe der vor Ort stationierten Schwestern vom Kasseler Diakonissenmutterhaus. Insbesondere die vielen Original-Zitate, die Heinz gut in die Geschichte einzubinden weiß, machen das Buch zu einer Besonderheit. Pfarrer und Schwestern berichten über die Zeit des Ersten Weltkriegs und danach in Hofgeismar, Zeugnisse, die ein eindrucksvolles Bild entwickeln, in der Zusammenschau mit Heises Tagebuchaufzeichnungen, Material aus dem Stadtmuseum und dem hervorragenden Bildmaterial aus der Sammlung von Gerd Liebel.

Das Buch ist im Jenior-Verlag Kassel erschienen und kostet 14,90 Euro.